Wie kann mit Fotos methodisch bewusst umgegangen werden?

1. Der fotografische Blick ist zu entwickeln (Aufspüren, Arrangieren oder Inszenieren)...
Andreas Feininger erläutert: »Fotografisch sehen heißt, Möglichkeiten erkennen, die Dinge nicht so sehen, wie sie sind, sondern sie sich vorstellen, wie man sie bildlich darstellen könnte.« Der Fotograf Minor White berichtet von seiner Haltung, die sich bei ihm entwickelt hat: »In Gedanken fotografiere ich ständig alles - Übung.«

2. Selbst fotografieren...
Dabei werden unterschiedlichste Entscheidungen getroffen, vor allem technischer Art: welche Kamera, welches Format, welche Objektivbrennweite, welche Blende, welche Belichtungszeit, welches Motiv im Blick auf das angezielte Bildergebnis? Es folgt die Auswertung und Bearbeitung: nicht nur die Ausschnittauswahl bestimmt eine Komposition.

3. Das Foto verstehen...
Der Fotograf Minor White hat bereits in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Methode fotografischer Bildinterpretation entwickelt, die er »Reading Photographs« betitelt hat.
Indem der »Leser« mit der Fotografie zu leben beginnt, wird er Teil des Bildes und umgekehrt. Das Ineinanderübergehen ist für die Methode des Lesens so wichtig.
Die Erfahrungen, die dabei entstehen, sollen der Inhalt dessen werden, was der Leser einer anderen Person mitzuteilen hat.  Über diesen Ansatz von Minor White hinaus geht der Ansatz, die „Sprache der Fotografie“ zu entschlüsseln. Roland Barthes als ein Vertreter dieses Gedankens hat mit seiner Unterscheidung von »studium« und »punctum« etwas von der kommunikativen Situation exemplarisch verdeutlicht.  Spannung käme erst auf, wenn etwas die Aufmerksamkeit fessele, ein Detail vielleicht, das nicht einmal von großer inhaltlicher Bedeutung zu sein bräuchte. Dieses nennt Barthes »punctum«.
Die beiden Begriffe scheinen deshalb so für die Analyse von Fotografien geeignet, weil dort oft auch ungewollte Elemente auftauchen, die ein »punctum« ausmachen.
Ein Beispiel: Auf dem Hompage-Foto der lachenden Kinder ist links oben in der Ecke ein Kind zu sehen, das um die Ecke schaut und zu fragen scheint: Was ist denn hier los? Warum sind die anderen so froh? Habe ich etwas Wichtiges verpasst?

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